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Inaugurationssymposium gibt den wissenschaftlichen Startschuss für DKFZ-ZMBH-Allianz
Posted January 19 2009
Wichtiges Exzellenzprojekt der Universität Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums gewinnt an Fahrt

Am 5.12.2008 erfolgte der wissenschaftliche Startschuss für ein gemeinsames Flaggschiffprojekt der Exzellenzuniversität Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Zum Jahrestag der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung durch den Rektor der Universität Heidelberg und die Stiftungsvorstände des DKFZ feierte die DKFZ-ZMBH-Allianz mit einem hochkarätig besetzten Inaugurationssymposium nun auch den wissenschaftlichen Start dieses Projektes.

 

In ihren Begrüßungsreden gingen Prof. Dr. Wiestler, Wissenschaftlicher Stiftungsvorstand des DKFZ, und Prof. Dr. Bukau, Direktor des Zentrums für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg (ZMBH) und einer der beiden Direktoren der Allianz, auf die Entstehungsgeschichte dieser Partnerschaft ein. Diese Allianz bringt zwei natürliche Partner zusammen, nämlich das ZMBH mit seiner Expertise auf dem Gebiet der Molekular- und Zellbiologie und den Forschungsschwerpunkt A des DKFZ, der sich dem Thema Zell- und Tumorbiologie beschäftigt. Eine engere Zusammenarbeit bei wissenschaftlichen Projekten, bei der Besetzung offener Stellen und bei der gemeinsamen Nutzung wissenschaftlicher Instrumente und Einrichtungen lag, wie auch viele der Gastredner des Symposiums hervorhoben, quasi in der Luft. Durch die unterschiedliche Trägerschaft von Universität und DKFZ galt es jedoch, eine Reihe juristisch-administrativer Unterschiede zu überbrücken, die in der Vergangenheit einer engeren Zusammenarbeit entgegenstanden.

 

Auf diesem Weg ist man seit den ersten Ideen, der positiven Beurteilung des Projekts durch die Gutachter der Exzellenzinitiative, der Ausarbeitung und Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung im Dezember 2007 sowie der Etablierung gemeinsamer Organisationsformen im Jahr 2008 bereits weit vorangekommen. Beide Partner konnten zudem erste gemeinsame Berufungen auf Professuren erfolgreich abschließen; weitere Rufannahmen werden hoffentlich bald zu vermelden sein. Mit den so gelegten Grundlagen soll sich nun das Augenmerk noch mehr auf die wissenschaftliche Zusammenarbeit richten. Eines der Ziele der DKFZ-ZMBH-Allianz besteht darin, trotz einer immer größeren wissenschaftlichen Spezialisierung die interdisziplinäre Forschung zu fördern und beispielsweise Experten für molekulare, zelluläre und organismische Ansätze zu gemeinsamen Problemlösungen zusammen zu bringen.

 

Die Vielfalt an Themen und Methoden, die durch die Allianz ermöglicht werden, wurde durch das Programm des Inaugurationssymposiums in ausgezeichneter Weise reflektiert. Das Thema Molekularbiologie behandelten Ari Helenius von der ETH Zürich und Stefan Jentsch vom Max-Planck-Institut in München. Prof. Helenius zeigte in seinem beeindruckend bebilderten Vortrag, auf welchen Wegen Viren in menschliche Zellen gelangen und welche Molekülsysteme der Wirtszellen hierfür ausgenutzt werden. Diese Erkenntnisse sollen helfen, neue Angriffsziele für antivirale Medikamente zu definieren. Prof. Jentsch erläuterte, wie bei der Cytokinese am Ende der Zellteilung ein Großmolekül mit vielen Funktionen dafür verantwortlich ist, dass die physische Trennung der beiden Tochterzellen koordiniert wird.

 

Den zweiten Themenabschnitt des Symposiums mit dem Thema Zellbiologie und Signalwege vertraten Carl-Hendrik Heldin vom „Ludwig Institute for Cancer Research“ aus Uppsala und Harold L. Moses vom „Vanderbilt-Ingram Cancer Center“ aus Nashville. Beide Redner gingen auf den TGF-beta-Signalweg ein, dessen Aktivität für die normale Entwicklung und Aktivität von Zellen wichtig ist und dessen Fehlfunktion die Entstehung und das Wachstum von Tumoren begünstigt. Die Vorträge zeigten, dass ein detailliertes Verständnis des Netzwerks der Signalkaskade, die durch TFG-beta ausgelöst wird, notwendig ist, um wirksame Medikamente für die Antitumortherapie unter Ausnutzung dieses Signalwegs entwickeln zu können.

 

Im dritten Programmteil zum Thema Epigenetische Regulation trugen Thomas Jenuwein vom Max-Planck Institut in Freiburg und Renato Paro von der ETH Zürich ihre neuesten Erkenntnisse vor. Epigenetische Veränderungen unseres Erbguts sorgen z.B. dafür, dass die konstante genetische Information der DNA in unterschiedlichen Zellen je nach Bedarf aktiviert oder auch stumm geschaltet werden kann. Die Untersuchungen von Prof. Jenuwein haben gezeigt, dass solche Veränderungen des Erbguts bei der Betrachtung ganzer Chromosomen diese klar in verschiedene Bereiche gliedern, wodurch Bereiche mit aktiven Genen von anderen Abschnitten unseres Erbguts abgegrenzt werden. Prof. Paro wiederum berichtete, wie Hitzeschockproteine der Zelle, die dem Schutz vor Stress dienen, auch für die korrekte Funktion epigenetischer Regulatoren benötigt werden. Diese Querverbindung erklärt, wie einerseits Entwicklungsprozesse eines Organismus gegenüber schädlichen Umwelteinflüssen abgepuffert werden können und wie andererseits auch Umweltsignale als epigenetische Information im Erbgut verankert werden können.

 

Der abschließende Themenkomplex widmete sich der Erforschung molekularer Vorgänge in intakten Geweben. Fiona Watt von „Cancer Research UK“ in Cambridge untersucht, wie sich Hautgewebe erneuert oder Tumore in der Haut entstehen. Die fortwährend nötige Erneuerung unserer obersten Hautschichten wird durch adulte Stammzellen geleistet. Prof. Watt zeigte, wie der wnt-Signalweg, der die Differenzierung und den Erhalt dieser Stammzellen steuert, in seiner Funktion von der Stimulierung des Vitamin D-Rezeptors abhängt. Diese Arbeiten tragen zum Verständnis der gesunden Hautfunktionen bei, geben aber auch Hinweise auf Ursachen für die Entstehung von Hauttumoren. Der abschließende Vortrag von Prof. Wagner vom „Spanish National Cancer Research Center“ in Madrid beschäftigte sich mit Knochen- und Hautgewebe. Zum einen berichtete Prof. Wagner über Signale, die die Größe der knochenabbauenden Osteoclasten bestimmen und somit dazu beitragen, Knochenkrankheiten wie Osteoporose oder Osteopetrose zu verstehen. Zum anderen spielt dieser gleiche Signalweg in bestimmten Hautzellen (Keratinozyten) eine Rolle. Störungen des Weges in diesem Zelltyp führen zu einem Krankheitsbild, das in vielen Aspekten dem einer Schuppenflechte ähnelt.

 

Prof. Niehrs, Sprecher des Forschungsschwerpunkts Zell- und Tumorbiologie des DKFZ und Co-Direktor der Allianz, hob zum Abschluss des Inaugurationssymposiums hervor, wie sehr dieser großartige Tag eindrucksvoll den wissenschaftlichen Anspruch und das Themenspektrum der Allianz unterstrichen hat und dankte allen Beteiligten für ihre Mitwirkung.

 

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