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Exzellent sein - und drüber reden: Deutsche Hochschulen werben in den USA (Deutschlandfunk)
Posted January 07 2009
Es sind Aufzuchtstationen für zukünftige Nobelpreisträger - die hochkarätigen und meist auch traditionsreichen Forschungsuniversitäten in den USA. Eine ähnliche Struktur in der deutschen Forschungslandschaft soll die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder künstlich erschaffen: Ob die deutschen Forschungsleuchttürme aber so weit strahlen, dass sie auch in Amerika wahrgenommen werden, bleibt fraglich.

Es sind Aufzuchtstationen für zukünftige Nobelpreisträger - die hochkarätigen und meist auch traditionsreichen Forschungsuniversitäten in den USA. Eine ähnliche Struktur in der deutschen Forschungslandschaft soll die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder künstlich erschaffen: Ob die deutschen Forschungsleuchttürme aber so weit strahlen, dass sie auch in Amerika wahrgenommen werden, bleibt fraglich. 
Parkett auf dem Fußboden, Stuck an den Wänden. Aus einer Wandnische heraus schaut eine Adenauer-Büste mit glasigem Blick das Willy-Brandt-Portrait über dem Kamin an der Wand gegenüber an. Der Vortragssaal am Deutschen Historischen Institut im noblen Nordwesten von Washington füllt sich allmählich. Gut einhundertfünfzig Gäste haben sich angemeldet. Deutsche, die in den USA forschen, aber auch sehr viele amerikanische Wissenschaftler, die sich zum Beispiel für eine Professorenkarriere in Leipzig, Konstanz oder Heidelberg interessieren. Eine Werbeveranstaltung für die Exzellenzinitiative.

"Es ist eine Werbe- und Informationsveranstaltung. Und die Motivation ist, dass es in Deutschland durch die Exzellenzinitiative und andere neue Initiativen, neue Förderlinien viel passiert zur Zeit - zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, aber auch zur besseren Ausstattung der Hochschulen und zur Entwicklung neuer Strategien der Hochschulen, neuer Hochschulkonzepte."

Dr. Christian Schäfer leitet das Nordamerika-Referat beim Deutschen Akademischen Austausch Dienst in Bonn. Der DAAD hat zusammen mit der Alexander von Humboldt-Stiftung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft neun Repräsentanten deutscher Universitäten eingeladen. Universitäten, die im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert werden. Professor Hans-Georg Kräußlich vom Universitätsklinikum Heidelberg zum Beispiel vertritt ein Exzellenzcluster zu Fragen der Zellbiologie an seiner Heimatuniversität. Dass sein Forschungsstandort das Potential hat, im internationalen Wettstreit um die hellsten Köpfe mitzuhalten, ist für ihn keine Frage. Dass die Altstadt und das Heidelberger Schloss etwas damit zu tun haben, schon eher.

"Ich glaube, dass der touristische Aspekt keine große Rolle spielt. Die Kenntnis Heidelbergs als ein international ausgesprochen attraktiver Forschungsstandort, das spielt eine Rolle."

Und das sei nicht erst seit der Exzellenzinitiative so, fügt er an. Denn das Niveau der Forschung habe natürlich schon vorher gestimmt. 

"Im Wissenschaftsbereich, in dem Feld, in dem Sie tätig sind, ist die Qualität der Publikationen aus dem jeweiligen Bereich, die Qualität der Wissenschaftler und wie sie in ihrem Gebiet stehen, mit Sicherheit das entscheidende Kriterium. Niemand wird als Professor an eine Universität gehen, nur weil sie irgendeinen Titel erworben hat."

Das Geld aus der Initiative könne aber dabei helfen, das Niveau auch weiterhin zu halten. Denn Laborgeräte für die Forschung am Schnittpunkt zwischen Zellbiologie und Medizin sind meistens nicht gerade billig. Neben der Finanzierung sind es aber auch andere Aspekte, die eine deutsche Universität attraktiv für amerikanische Wissenschaftler machen. Zum Beispiel die Sprache.

"Im Bereich der Lebenswissenschaften, im Bereich der Naturwissenschaften, sind die Programme sind die Programme so stark internationalisiert, dass im Grunde genommen auch in den Labors in Deutschland im Wesentlichen englisch gesprochen wird. In meinem eigenen Labor sind Kolleginnen und Kollegen aus sieben Nationen vertreten. Das ist natürlich in manchen Bereichen der Geisteswissenschaften eine völlig andere Situation, und dort kann die Sprache ein Problem sein."

Die amerikanische Doktorandin Jill Weyers von der Johns Hopkins University in Baltimore interessiert sich für eine Postdoc-Stelle im Ausland. Deutschland sei für sie auf alle Fälle eine Option, sagt sie. Und am interessantesten fand sie das Exzellenzcluster aus Heidelberg, das Hans-Georg Kräußlich vorgestellt hat.

Die Forschung, über die er gesprochen hat, interessiert mich sehr. Ich würde mich dieser Gruppe gerne anschließen. Jetzt wo ich davon weiß, werde ich mir die Sache auf alle Fälle näher anschauen. Und ich kenne außerdem auch viele amerikanische Professoren, die in den kommenden Jahren nach Deutschland ziehen wollen. Wenn ich an einem Institut arbeiten will, wo erstklassige Forschung betrieben wird, dann bietet Deutschland mittlerweile definitiv mehr Möglichkeiten als vor der Exzellenzinitiative. 

In den kommenden Tagen stehen nun noch ähnliche Informationsveranstaltungen an der Westküste auf dem Plan, in San Francisco und Los Angeles.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/884922/